Atemholen

 „Traurigsein ist etwas Natürliches. Es ist wohl ein Atemholen zur Freude.“    
Paula Modersohn-Becker

Noch im Februar hätte keine von uns geahnt, wie sich der Alltag für uns alle ändern würde. Wie rasch sich Viren und Nachrichten verbreiten, Fake News viral gehen und gefühlt nichts mehr ist, wie es war; die anfängliche Jagd nach Desinfektionsmitteln, Klopapier und Nudeln Kopfschütteln oder bange Furcht auslöst; wie sich Einsamkeit anfühlt; wie man Mundschutz aus Geschirrtüchern näht, Homeschooling und Homeoffice logistisch verbindet, wie Bilder aus dem Fernsehen sich in die Seele brennen und wie nah einem doch die eigenen vier Wände rücken können, wenn man ihnen nicht entfliehen kann… Jede von uns könnte diese Liste beliebig fortführen. Von Zoom und Skype, Abstand und Anstand an der Supermarktkasse, geplatzten Urlauben und zerbrechlichen Existenzen, nackten Zahlen und bedeckten Gesichtern. Von denen, die uns fehlen, und denen, die uns brauchen, und unseren eigenen rastlosen Herzen, die die Stille so schlecht aushalten, und noch viel mehr. Eine verrückte Zeit!

Mit den Sommerferien und den gelockerten Reisebeschränkungen scheint sich die Erstarrung und Anspannung der letzten Monate für viele ein wenig zu lösen. Doch immer noch sind wir umgeben von Auflagen, und suchen im Gewirr der Eindrücke nach neuer Normalität. Werden wir uns je wieder ohne den auf 1,5 m geeichten inneren Abstandhalter begegnen können?
Ihr habt es sicher bereits gelesen, dass wir das geplante FrauenCamp schweren Herzens um ein Jahr auf den 08.-11. Oktober 2021 verschoben haben. Es wird im Flensunger Hof in Mücke/Hessen stattfinden. Um mit obigem Zitat zu sprechen, wird uns so ein tiefes „Atemholen zur Freude“ ermöglicht!

Um den Gefährtinnentag am 20 Juni haben wir zuerst noch gebangt, waren dann aber sehr froh, dass er unter den geltenden Hygienevorschriften in Marburg im ChristHaus stattfinden konnte.
9 Frauen haben sich einladen lassen, mit uns der Frage nachzugehen: was brauche ich, um mich als Teil eines Teams zu fühlen? Frauen aus unterschiedlichen Lebenshintergründen, die sich nur zum Teil kannten, aber eines gemeinsam hatten: Gemeinschaftshunger. Sehnsucht nach Begegnung, einander sehen, Verbindung spüren – miteinander und mit Jesus. Trotz seltsam veränderter Räume und der unsichtbaren Seifenblase, die jede von uns umgab und eine Astronaut-im Weltall-Atmosphäre der Unberührbarkeit hinterließ, war es gelungen, einen sicheren Ort zu schaffen, der es möglich machte, sich zu öffnen; Schönheit in den viel zu großen Raum zu schmuggeln, die den Augen des Herzens eine Oase bietet. Ob in der Vorstellungsrunde mit kraftvollen Bodenbildern, beim Mittagessen draußen im Biergarten des „Rotkehlchen“ – oder beim Gebet in Kleingruppen – ihr habt Euch gezeigt!

Der Autor Khalil Gibran drückt es so aus:
„Um das Herz und den Verstand eines anderen Menschen zu verstehen, schau nicht darauf, was er erreicht hat, sondern wonach er sich sehnt.“
Und wenn Herzen sich zeigen, Freundinnen – hat das so eine Kraft! Das war so spürbar, bewegend, verbindend Was habt ihr denn eigentlich den ganzen Tag gemacht? magst Du vielleicht fragen. Ziel dieses Tages war nicht, einen Plan aufzustellen und Aufgaben fürs Camp zu verteilen. Diese Zeit wird kommen. Doch an diesem Samstag ging es uns tatsächlich um Kennenlernen, Gemeinschaft haben, einander sehen, hören und segnen. Wir glauben, dass ein Team so viel mehr ist als eine zweckgebundene Arbeitsgemeinschaft, weil wir das miteinander Unterwegssein selber als so bereichernd empfinden. Inge hat das bereits in ihrem Beitrag über Gefährtenschaft (siehe nächsten Blogbeitrag) so treffend formuliert. Und so haben wir dazu eingeladen, sich untereinander zu vernetzen, über die reine Sachebene des Camps hinausgehend, in dem Maß wie jede das möchte und braucht, um sich als Teil des wunder:voll-Teams zu begreifen.

Einige der Frauen hatten schon Berührungspunkte mit den Ideen von wunder:voll, waren Teilnehmerinnen des Camps 2018 am Bodensee oder des Oasentags für Frauen im letzten Herbst in Marburg. Ihr habt bereits etwas gekostet von dem Schatz, der jeder Frau innewohnt und den Jesus so gerne entfesseln möchte, damit wir von ganzem Herzen befreit leben können.
Wir wünschen uns und Euch von Herzen, dass dieser Tag voller Gemeinschaft wie ein tiefer Atemzug sei, der uns erfrischt, aber gleichzeitig den Hunger nach mehr Gutem weckt.
Die gegenwärtige Zeit forderte, dass wir mit so viel Abstand auf unseren Stühlen saßen, dass der Kreis nicht geschlossen war. Was sich für mich zuerst zerrissen und einsam anfühlte, wurde aber zu einem starken Symbol für die Möglichkeiten, die noch offen sind. Wunder:voll ist kein geschlossener Zirkel! Die leeren Zwischenräume bieten Platz für weitere Frauen! Und unser Kreis möge nicht der einzige bleiben! Im ganzen Land und darüber hinaus wird Gott Frauenherzen bei ihrer Sehnsucht rufen und in ihre Bestimmung führen.

Lassen wir uns durch diese besondere Zeit stören in dem, was uns gewohnt und vertraut ist, um innezuhalten und Gottes Herzschlag zu hören. Um uns von ihm auf unsere Ängste, unser Hamsterrad, die Überforderung, schwindende Sicherheiten und die Sehnsucht nach realen Begegnungen ansprechen zu lassen. Damit wir uns neu unserer Identität bewusst werden, die uns von Jesus zugesprochen wird. Er möchte uns real begegnen, ohne Maske und Sicherheitsabstand. Das zu erleben, ist eine Kernidee von wunder:voll, und sie beginnt in meinem und deinem Herzen.

Du möchtest informiert bleiben über wunder:voll? Oder fragst dich, ob dein Platz im Team für das Camp 2021 sein könnte? Dann habe Mut, uns zu schreiben: info@wunder-voll.net

von Katja

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